Zwischen Loslassen und Neubeginn

Meine Initiation im Retreat

Ich habe dieses Retreat ursprünglich für mein grosse Wegweiserin Nanne Hessel organisiert. Sie war meine Seminarleiterin in meiner Ausbildung zur Psychosynthese Therapeutin im Aeon – und seitdem für mich eine Frau, die verkörpert, was es heisst, mit Tiefe, Wahrhaftigkeit und Klarheit in der Welt zu stehen. Ich wollte, dass dieses Retreat stattfinden kann – und gleichzeitig ahnte ich nicht, dass es für mich selbst zur grössten Einweihung werden würde.

Ich kam ohne grosse Themen. Keine offenen Wunden, keine drängenden Fragen.
Und doch: Das Leben hatte anderes mit mir vor.

Es hat mich in vier Tagen durch Sterben und Wiedergeburt geführt.


Das Ankommen

Wir beginnen sanft. Ein gemeinsames Abendessen, erste Gespräche, ein langsames Absenken in die Stille. Kein grosses Bedürfnis mich im weltlichen zu sehr mitzuteilen. Doch im ersten Seminar spüre ich bereits: Etwas zieht mich hinein. In der ersten meditativen Reise, ein klares helles Licht. Die Sehnsucht nach Verbindung spüre ich stark. Die Verbindung mit der Gruppe, damit ich mich wieder spüren kann. In der zweiten, ein Haus. Das Symbol für mein „mich zu Hause“ fühlen. Bei mir sein, bei mir ankommen, mich zeigen – so wie ich roh und nackt bin. Mit all meiner Verletzlichkeit.

Die Energie im Raum ist klar, fast heilig. Und in mir wächst eine Ahnung: Ich werde hier nicht „einfach nur“ teilnehmen und assistieren. Ich bin hier, um zu wachsen.


Ich beobachte meine Gedanken

Es kommen viele Gedanken in mir auf und ich beschäftige mich mit der Stille. Ich spüre den Impuls ruhig zu werden und frage mich. Was ist die Stille? Was sagt mir die Stille? Warten, geduldig sein. Eins sein, mit mir. Meinem tiefsten und wahrsten Kern nah kommen. Ich sein, mit meiner Verletzlichkeit. Mit mir wohl sein – mit mir sein. Ich – Ich – Ich. Was ist meine Seele – wer ist sie? Kenne ich dich, meine liebe Seele kenne ich dich? Zeig dich, sei da und sei mit mir in all deiner Schönheit und mit all deinem Wissen. Ich will Menschen berühren. Ich will, dass sie sich ihrer bewusst werden. Ihrer wahren Schönheit.

Was ist diese Suche im Aussen? Wonach suche ich weiterhin, wenn mein Wissen und mein Zuhause in mir ist. Es ist ja alles in mir wozu Gier, wozu Essen, wozu materielle Dinge? Die Geduld, die Mäßigkeit, die Genügsamkeit leben. Welche Anteile in mir treiben mich zu dem an immer mehr haben zu wollen? Verbindung zu mir? Leer machen. Keine Lösung haben. Verbindung im aussen zu der Gruppe ist eigentlich die Sehnsucht zu der Verbindung zu mir. Selbst Verbindung beginnt in mir. Warum bin ich soweit weg von mir?

Die Schwelle & das Loslassen

Am Morgen gehen wir an die Schwelle. Alles, was wir bisher getragen haben, wird sichtbar: Rollen, Masken, Sicherheiten.
In mir besonders stark: die Ungeduld. Das alte Gefühl „Ich bin nicht gut genug“.

Am Nachmittag das grosse Loslassen:
Wir beerdigen unsere Muster, übergeben sie an die Erde. Ich lege meine Kleinheit, meine Ungeduld in den Schoss von Mutter Erde – und danach tanzen wir.
Ein Tanz wie eine Auferstehung: frei, wild, erleichtert.

Danach startet die Stille. Gemeinsam in der Gruppe und doch allein, Das Gefühl der Emotionslosigkeit überkommt mich wieder. Ich kenne das aus dem Vipassana Retreat. 10 Tage in der gemeinsamen Stille und doch jede für sich. Warum brauche ich das Aussen, um Emotionen wahrzunehmen. Um Freude zu verspüren oder eine Glücksregung. Wie kann ich es in mir finden? Wie kann ich in meine Mitte kommen und wohl damit sein. Wohl mit mir alleine sein.

Ich spüre: Das ist erst der Anfang….


Das Niemandsland

Noch in der Nacht beginnt das kraftvollste Ritual. Niemandsland.

Ich verlaufe mich im Wald. Kein Wegweiser, keine Karte. Nur Dunkelheit, Stille, Angst.

Das Leben prüft, ob wir wirklich bereit sind.
Mein Dilemma kam in der Gehmeditation am Tag zuvor ans Licht: die Sicherheit, die ich im Aussen suche – und zugleich die Begrenzung, die sie mit sich bringt. Halt und Bremse zugleich.

Im Wald durfte ich dieses Spannungsfeld körperlich erleben: Sicherheit loslassen, Angst durchschreiten – und doch getragen sein – von mir. Der Satz: „Ich bin sicher in mir und vertraue meiner Intuition“ wird zu meinem Mantra während der nächsten Stunden.

Ich wollte es so. Ich habe meine Angst bewusst herausgefordert. Der dunkle Wald macht mir Angst und doch ging ich Schritt für Schritt tiefer rein.
Mein Herz rast vor Angst. Mein Kopf schreit auf einmal: „Du bist zu spät! Du versagst! Alle werden sehen, dass du nicht genügst!“

Ich bin ausgeliefert. Verloren.
Und gleichzeitig fühle ich: Genau das ist es. Ich bin in einem heiligen Zwischenraum. Nicht mehr die Alte, noch nicht die Neue. Ein Gedankenchaos startet. Es kommen alte Bilder aus der Schulzeit in mir hoch, die mit dem Gefühl des Versagens zu tun haben. Ich werde schneller und versuche die Feuerstelle zu finden.

Die Zeichen sind klar:
🦌 Ein Hirsch bricht durch die Stille. Sein Ruf ist laut, roh, kraftvoll. Er erschreckt mich – und erinnert mich zugleich an meine eigene Urkraft. An die Sicherheit in mir.

Das Verlaufen im Wald: Der Wald steht im Symbolischen für das Unbewusste. Mich zu verlaufen bedeutet: Ich bin tiefer in mich selbst hineingegangen, ohne Kontrolle, ohne Karte. Das Ausgeliefertsein und die Angst sind Teil des Loslassens alter Sicherheiten.

Der leere Feuerplatz: Als ich schliesslich wieder am Feuerplatz ankomme, ist er leer. Niemand da. Kein Halt in der Gemeinschaft.
Die Botschaft ist klar: Mein Platz ist nicht mehr der alte. Ich kehre nicht zurück als die, die ich war. Ich kehre zurück als Frau, die trägt und wirkt.

Ich höre die Trommel. Nanne kommt mir entgegen. Nicht, um mich in die alte Rolle zurückzuholen, sondern um mich in meine Wahrheit zu rufen.

Sie sagt klar: Ich habe dich gesucht. Ich sage: Ich weiss. Kein Vorwurf, kein: Wo warst DU!
🔥 Ich begreife: Das ist eine Initiation. Meine Führungs-Initiation, die mich von einer alten Identität in eine neue geführt hat.

Von: der Frau, die Sicherheit im Aussen sucht, die sich klein macht, anpasst, die Angst hat, Fehler zu machen.

Zu: der Frau, die ihre eigene innere Sicherheit gefunden hat, die ihre Maske ablegt und die Kraft hat, zu führen und zu wirken.

Später – während ich noch nachspüre – landet eine Biene 🐝 sanft auf meiner Hand.
Sie bringt die Botschaft: Die Führung liegt jetzt in deiner Hand. Wärme, Süße, Gemeinschaft – aber auch Klarheit und Stärke.


Erlösung & Neubeginn

Am letzten Tag schliessen wir den Kreis.
Im Ritual der Erlösung lasse ich endgültig los, was nicht mehr zu mir gehört. Alles Alte darf vergehen.

In diesem Moment fiel die Maske: die Rolle, die alles im Griff hat, die perfekt funktioniert, die niemals Fehler machen darf.
Ich war nackt. Und genau darin lag die Wahrheit. Ich fühle Dankbarkeit, Demut, Frieden in mir.

Ich weiss: Ich bin nicht mehr dieselbe Frau wie vor vier Tagen.
Ich habe die Sicherheit in mir gefunden und sie darf nun in mir wachsen.
Und ich spüre: Meine Aufgabe ist nicht mehr, nur zu begleiten – meine Aufgabe ist es, zu führen.


Die Katze – das Siegel der Transformation

Während ich mit gefallener Maske all das in der Gruppe teilte, kommt eine Katze 🐈 in den Raum
Sie legt sich genau auf meine Zeichnungen. Entspannt. Vertrauend.

Ich muss lächeln. Denn Katzen sind Hüterinnen der Seele. Sie legen sich dorthin, wo etwas wahr und lebendig ist.
Sie segnet, was ich sichtbar gemacht habe.
Ihre Botschaft ist klar:

Es war, als hätte das Universum selbst gesagt: „Alles, was du gezeigt hast, ist sicher. Es darf sichtbar sein.“


Schicht für Schicht zu deinem Ursprung

So stelle ich mir Persönlichkeit und Psyche vor: wie eine Zwiebel.
Jede Schicht entstand aus Erlebnissen – Kindheit, Prägungen, Rollen, Schutzmechanismen. Manche Schichten sind heute noch wichtig, andere nicht und brennen in den Augen. Und doch: Keine ist „falsch“. Sie hat uns gedient.

Innere Arbeit bedeutet nicht, dich „wegzumachen“. Sie bedeutet, mit Liebe zu schälen:

  • die Schicht der Anpassung – „Ich muss allen gefallen.“
  • die Schicht der Kontrolle – „Nur wenn ich alles im Griff habe, bin ich sicher.“
  • die Schicht der Kleinheit – „Ich bin nicht genug.“

Wir schälen nicht mit Gewalt, sondern mit Achtsamkeit. Tränen gehören dazu – wie beim Zwiebelschneiden. Sie reinigen den Blick. Unter jeder Schicht wartet mehr Wahrheit, mehr Weite.

Im Kern liegt deine Essenz: unverletzt, leuchtend, still.
Wenn wir sie berühren, erinnern wir uns an unseren Ursprung – an das, was wir sind, bevor die Welt uns erzog: Liebe. Präsenz. Strahlen.
Und genau das bringen wir in die Welt: nicht als Pose, sondern als Wirkung. Dein Alltag wird zum Ausdruck deiner Essenz. Du entscheidest weniger aus Angst, mehr aus Wahrheit. Dein Handeln wird einfacher, klarer, sanfter – und kraftvoller.

Schäle sanft. Ehre jede Schicht. Und erlaube deinem Kern zu leuchten.
Von innen nach aussen. Aus dir – in die Welt.

Meine Botschaft an dich

Dieses Retreat war für mich eine Initiation. Es hat mich nackt, verletzlich, orientierungslos gemacht – und genau darin habe ich meine Kraft gefunden.

Vielleicht stehst auch du gerade an einer Schwelle.
Vielleicht spürst du, dass das Alte nicht mehr passt – und das Neue noch nicht greifbar ist.
Vielleicht befindest du dich, wie ich damals im Wald, im Niemandsland zwischen Loslassen und Neubeginn.

Dann vertraue: Das Leben trommelt auch dich heim.
In deine Wahrheit. In deine Kraft.


Dein nächster Schritt – Break the Loop

Dein nächster Schritt – Break the Loop

Wenn du spürst, dass auch in dir alte Muster zerbrechen wollen, dass du das ewige „Zurückhalten, Anpassen, Kleinmachen“ endlich durchbrechen möchtest – dann lade ich dich ein in meinen Kurs Break the Loop.

Dort begleite ich dich durch genau diesen Prozess:
👉 Loslassen, was dich klein hält.
👉 Deine Wahrheit erkennen – auch wenn sie dich herausfordert.
👉 Und mutig in dein neues Kapitel treten.

Es ist Zeit, den Loop zu durchbrechen.
Es ist Zeit, deine eigene Initiation zu leben.

Hier erfährst du mehr zu Break the Loop: https://annemariepreiss.com/programme/]

Mit Respekt dem grossartigen Leben gegenüber,

Annemarie


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